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Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?

Pädagogik ist ja so eine Sache. Oft wollen die Kinder nicht so, wie man selbst will und bevorzugt an Zeitpunkten, wo man es gar nicht brauchen kann. Schlafen gehen? Medizin nehmen? Oder einfach nur Gewand wechseln? Sowas kann schnell eskalieren und dann muss man sich einen Trick einfallen lassen, wie man das wenig kooperative Kind doch noch zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit überreden kann. In weniger pädagogisch-politisch-korrekten Zeiten erfand man eben eine bösartige, furchteinflößende Entität, welche beim nicht-gehorchen schreckliche Konsequenzen exekutieren würde.

Für uns am bekanntesten sind hier der Butzemann (den man heute eher fröhlich besingt), gleichzustellen mit dem ominösen „Schwarzen Mann“ und seinem englischsprachigen Cousin namens „Bogeyman“. Lauert dieser finstere Geselle also unterm Bett, im dunklen Eck oder gar im Kasten und wartet nur darauf, dass sich des Leibes Frucht ungezogen benimmt, dass die Eltern in seine Richtung blicken und mit einem stillen nicken sagen „Kollege, du bist dran!“. Und im Idelafall, zumindest bis zu einem gewissen Alter, funktioniert das dann auch.

Wer aber denkt, dass diese Version des Kinderzimmer-Judge-Dredds angsteinflößend ist, der kennt die anderen internationalen „Mutationen“ noch nicht. Es folgt ein kleiner Überblick der knackigsten Bedtime-Horrorcreatures, ob man diese Figuren nun in den pädagogischen Alltag einbauen will, bleibt fragwürdig und jedem selbst überlassen.

In Algerien gibt es den H’awouahoua, bestehend aus verschiedenen tierischen Körperteilen, mit feurigen Augen und er trägt die Kleidung der Kinder, die er frisst.

In Belgien klopft der Oude Rode Ougen (Alte rote Augen) an die Tür jener Kinder, die nicht schlafen gehen wollen. Fresh wird es, wenn man weiß, dass es sich dabei um einen kannibalischen Gestaltenwandler handelt, der sonst gerne als schwarzer Hund durch die Gegend streift.

In Teilen des ehemaligen Jugoslawiens fischt eine behörnte alte Dame namens Babaroga Kinder durch eine kleine Spalte im Dach, packt sie in einen Sack und verspeist sie dann in ihrer Höhle.

Im Kongo schreckt man seinen Nachwuchs mit Dongola Miso (Kreatur mit den schrecklichen Augen), dessen grauenerregender Modus Operandi zwar nicht näher definiert ist, sich aber als so effektiv erwiesen hat, dass man damit selbst noch Erwachsene davon abhält, in der Nacht das Haus zu verlassen und dann vielleicht auch noch mit Fremden zu sprechen.

Abu Rigl Maslukha (Der Mann mit dem verbrannten Bein) ist ein kulinarisch zivilisiertes ägyptisches Schreckgespenst, der aus eigener Erfahrung handelt: Als Kind hat er nicht auf seine Eltern gehört, was zu seiner Entstellung führte und deshalb kocht er jetzt Kinder, die aus seinem Fehler nicht lernen wollen.

In guyanischen Haushalten führt Jumbi sein heimliches Dasein unter den Betten der Kinder und wenn sie nicht aufessen wollen, dann kommt Jumbi unterm Bett hervor und knabbert sich seinen Weg von den Füßen der Kleinen bis zu ihrem Gehirn hinauf.

In Ungarn muss man sich vor Rétfaszú bagoly in Acht nehmen, einer Eule mit Kupferpenis.

Island ist auch hier etwas bizarrer als der Rest der Welt: Gryla ist ein weiblicher Troll, der schlimme Kinder zu Weihnachten frisst. Der Legende nach ist sie zwar schon tot, aber das tut nichts zur Sache, weil sie die Mutter von Yule Lads, dem Isländischen Weihnachtsmann ist.

Die indonesische Version geht einen völlig anderen Weg, dort kommt nämlich ein Geist namens Wewe Gombel und schnappt sich die Kinder, die von ihren Eltern misshandelt werden, parkt diese in einem Nest auf der Spitze einer Palme und kümmert sich rührend um sie, so lange, bis die Eltern wieder bei Sinnen sind.

Japan geht auch einen progressiv-härteren Weg und institutionalisierte das „Dämonen-Masken-Fest“, wo geplagte Eltern einmal im Jahr zur Selbsthilfe greifen, sich als Monster verkleiden und ihre lügenden und faulen Kinder dazu bringen, sich ins Hoserl zu machen.

Wie man sieht, ist der menschlichen Problemlösungsphantasie keine Grenze gesetzt!

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Schweinderl