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Ich bin die Mama! – Sechs Monate Väterkarenz, ein Resümee.

Wie alles begann…
Einige können sich vielleicht noch an einen meiner ersten Beiträge “Weg! Nicht die Mama!” erinnern. Darin ging es vor allem um den Klassiker der männlichen Erziehungsrolle. Ich versuche das einmal im Zuge eines, damals für mich typischen, Vater/Kind-Gespräches darzustellen:

Kind: Mama!
Kind: Mamaaa!!
Kind: Mamaaaaa!!!
Kind: Papa?
Papa: Ja?
Kind: Wo ist die Mama?

Das könnte vor allem daran liegen, dachte ich mir, dass die Mutter die Ansprechperson Numero Uno ist. Leider konnte ich das auch aufgrund einer, bei Tochter Nummer eins nie stattgefundenen Väterkarenz auch nicht ändern.**
Damals war ich so blöd und habe für einen besser bezahlten Job klein bei gegeben. Jetzt, nach meiner Väterkarenz von fünf Monaten und vier Wochen mit unserer zweiten Tochter, würde ich das nicht mehr machen. Warum? Na liest am besten selber weiter…

“Wenn du Gott zum Lachen bringen willst…
dann mach Pläne.” dieses abgewandelte Zitat von Blaise Pascal beschreibt ziemlich gut mein “Erwachen” in den ersten Tagen meiner Väterkarenz. Auch wenn ich kein Christ mehr bin so halte ich die Essenz dieser “Weisheit” für eine Religions bzw. Lebenseinstellungsübergreifende. Und was für Pläne ich nicht hatte. Ich wollte schon mit einer eigenen Blog-Serie über die unterschiedlichen Wiener Parks und Chillout-Areas starten. So nach dem Motto “Wo man mit dem Kind am besten büseln kann!”. War wohl nix. ;-) Was soll ich sagen, als Erstes hatten wir einen Umzug zu koordinieren, Zweitens war eine Wohnung komplett neu einzurichten, Drittens kann man noch so oft bereits Vater sein, KARENZ IST ANDERS! GANZ ANDERS…

Zeit bekommt eine neue Bedeutung, die Prioritätenreihung auch
Einkaufen mit Kleinkind, Kinderwagen und Wickeltasche ist echt irre. Dagegen war eine Einmannkampfdeckung mit dem Kampfanzug 3 (sau schwer) bei einer Gefechtsübung zu beziehen ohne dabei etwas zu verlieren und sich wund und blau zu schlagen eine Kleinigkeit.

Nicht einmal das “abenteuerliche” Bundesheer kann einem auf so einen Einsatz vorbereiten. Warum das für Männer eventuell etwas schlimmer ist? Na weil für uns eine Welt zusammenbricht.

Ich will hier keine Klischees bedienen aber für mich musste immer alles planbar, koordinierbar und überschaubar sein und die Kurzantwort darauf ist “vergiss es!”.  Früher hab ich gesagt “ich bin um 9:00 Uhr da.”. Heute sage ich nur, ich hoffe ich schaffs am Vormittag. Kinder bringen einem echt Geduld bei und auch Gelassenheit. Es entstehen andere Prioritäten wie, sind genug Windeln etc. da, kann der Schlafrhythmus eingehalten werden, schaff ich es nebenbei was zu kochen usw.. Zeit die ich normalerweise für diesen Artikel gebraucht hätte: ca. 2 Stunden. Zeit die ich tatsächlich für diesen Artikel Nebenbei gebraucht habe, einen ganzen Tag.

Such dir keine Arbeit, denn sie kommt von ganz alleine auf dich zu
Du wolltest endlich mal die Fahrräder richten? Ein paar Lampen montieren? Was ordentlich durchsortieren? Tu es nicht! Es bringt nix. Die Fahrräder stehen jetzt schon seit zwei Wochen bei mir auf der Loggia und immer dann wenn ich etwas “nebenbei” machen will kommt was anderes dazwischen. Etwas wegzuwischen, zu waschen, einzuräumen, mitzuspielen, rauszugehen etc. Und das ist gut so.

Und  NEBENBEI gibt’s nicht!

Kinder machen Glücklich und ich kann’s beweisen
Erst neulich habe ich in einem Artikel gelesen, dass Glücksforscher (die existieren wirklich) festgestellt haben, dass der große Schlüssel zum Glück im Erleben des Momentes besteht. Sprich je mehr bzw. öfters der gegenwärtige Moment als solcher ganz bewusst wahrgenommen wird, desto glücklicher, ausgeglichener etc. ist man. Mit Kindern kann man gar nicht anders als im Moment zu leben. Im Jetzt. In der Zeit in der Kleinspielzeug der Eltern größter Feind ist. Egal wie oft man durchsortiert und wegräumt die kommen immer wieder. Sämtliche Barbiekleinteile wie z.B. mini Ringe und Ohrenstecker, Schuhe etc. der großen Schwester werden beinahe täglich von meiner Kleinsten per Mund durchgewaschen.

Mittlerweile sind wir schon so ein tolles Team, so dass ich nur mehr die flache Hand ausstrecken muss und mir wird das fein säuberlich gewaschene Kleinteil in die Hand gespuckt. Diese Phase will auch gar nicht aufhören. Es ist schon eine richtige Challenge. Sieht Papa eh nicht das ich mir mal wieder was in den Mund gesteckt habe und grinst.

Für mich hat die Geldwäsche eine völlig neue Bedeutung bekommen.

Daher kann ich gar nicht anders als nur Glücklich zu sein. Würde ich nicht im Jetzt leben wären wir sicher schon gefühlte hundert Mal im Kinderspital gewesen. So waren wir das zum “Glück” noch nie, klopf, klopf, klopf.

Willkommen in einer Zeit des Entertainments
Niemand ist ein besserer Entertainer als die eigenen Kinder. Sie wissen genau, wo und wann sie einem packen müssen und schaffen es mit Charme, ungewolltem Slapstick und wahnsinniger Kreativität entweder zum Weinen, oder aber hoffentlich den meisten Fällen, zum Lachen zu bringen. Beispiel gefällig? – Erstes Mal Rutschen. Auf der Rutsche sind wir ganz begeistert, weil da viele kleine Steinchen oben sind die toll Lärm machen wenn man sie runter rasseln lässt. Weil uns Steine so faszinieren stürmen wir gleich hinterher (kann gerade einmal seit einem Monat laufen) und weil das so toll ist, machen wir das gleich mit dem Gesicht voran und baggern richtig schön am Ende der Rutsche in den Schotter rein. Wie dann das verdutzte Gesicht wieder auftaucht spuckt es die Steine aus und schmeißt sich vor lauter lachen weg und ich, nach  einer Schrecksekunde, gleich hinterher.

Nicht die Mama 2.0
Als meine Frau und ich zu Tisch bei einer gemeinsamen Tasse Kaffee saßen (super selten wenn die Kinder noch wach sind) begab sich folgendes Geschehnis: Kleine Tochter spielt mit großer Tochter vergnügt vor sich hin als sie “aufspringt” und in unsere Richtung läuft. Dabei schreit sie ganz laut Mama, Mama, Mama und macht die Arme auf. Meine Frau steht vom Sessel auf und freut sich, dass sie so fleißig läuft und bereitet ebenso die Arme aus. Ich bleib bei meiner Tasse sitzen. Die kleine läuft weiter Mama rufend an ihr vorbei zu mir hin und will auf meinen Schoß.

Tja, das wär dann auch schon mein Resümee, Es heißt zwar noch immer Mama, Mama, Mama aber gemeint bin ich. Der Blog heißt aber auch Ultimatemoms und nicht Ultimatedads ;-)

Die Empfehlung zum Schluss
Väter dieser Welt, geht unbedingt in Karenz! Nehmt von mir aus “nur” die letzten fünf Monate plus ein paar Wochen am Ende der maximalen Karenzzeit aber geht unbedingt. Es gibt nirgendswo auf dieser Welt so viel Kohle die diese tolle, lebensverbindende Zeit aufwiegen könnte. Von dem Vorteil für die Einsicht bei vielen Themen in der Partnerschaft spreche ich noch gar nicht. Ich denke meinen Partner jetzt viel besser zu verstehen und auch die kinderspezifischen Erlebnisse besser, weil einfühlsamer, teilen zu können.

So keep calm and daddy on!

 

 

 

** Warum ich die Karenz bei meiner ersten Tochter nicht wahrgenommen habe? Leider hat der Arbeitsgeber eine Finte bei der Karenzbeantragung eingebaut (gilt natürlich für beide Geschlechter). Die Arbeitsplatzsicherung (genau der Arbeitsplatz den man zuvor inne hatte) bleibt nur dann bestehen wenn sich die Karenzdauer nicht über sechs Monate erstreckt. Das wäre bei mir an sich egal gewesen, weil ich eh nur vier Monate gehen wollte und danach wieder mit meiner Frau gewechselt hätte. Genau darin lag übrigens die Krux. Da die maximale Karenzdauer (auf das Kind bezogen) zu meinem Antritt insgesamt mehr als sechs Monate betragen hätte, in meinem Fall acht weil vier Monate ich und die restlichen vier meiner Frau geplant waren, sagt der Arbeitgeber nein zur Arbeitsplatzsicherung bzw. zu der Versetzung auf einen bereits zugesagten Arbeitsplatz. Ich könnte ja, rein Rechtlich, länger als die eingereichten vier Monate gehen und deshalb Nada.

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Schweinderl